Exklusive Bordeauxweine und mehr!

Domaine de Chevalier

Domaine de Chevalier gehört zu den bedeutenden Grand Cru Classé-Weingütern von Pessac-Léognan. Das Weingut liegt in Léognan im südlichen Bordeaux und ist besonders für seine von Wald umgebenen Weinberge und seine eleganten Rot- und Weißweine bekannt.

Das Château auf einen Blick

  • Appellation: Pessac-Léognan
  • Klassifikation: Grand Cru Classé de Graves
  • Lage: Léognan, südlich von Bordeaux
  • Besonderheit: Weinberge inmitten eines großen Waldgebietes
  • Rebfläche: rund 70 Hektar bestockte Rebfläche
  • Weiße Rebsorten: 70 % Sauvignon Blanc, 30 % Sémillon
  • Rote Rebsorten: 65 % Cabernet Sauvignon, 30 % Merlot, 3 % Petit Verdot, 2 % Cabernet Franc
  • Besitzer: Familie Bernard
  • Zweitwein: L’Esprit de Chevalier

Domaine de Chevalier – ein Grand Cru Classé im Herzen von Pessac-Léognan

Domaine de Chevalier gehört zu den bekannten Grand Cru Classé-Weingütern von Graves und liegt bei Léognan im Herzen der heutigen Appellation Pessac-Léognan. Was das Gut besonders macht, erschließt sich bereits aus seiner Lage: Die Weinberge liegen als zusammenhängende Fläche inmitten eines großen Waldgebietes. Dieser ungewöhnliche Zusammenhang von Wald und Weinberg prägt das Mikroklima und gehört zu den Besonderheiten des Domaine de Chevalier.

Das Weingut hat sich innerhalb vergleichsweise weniger Generationen einen festen Platz unter den bedeutenden Gütern des Bordelais erarbeitet. Heute steht die Familie Bernard für die Fortführung dieser Entwicklung. Olivier Bernard übernahm nach dem Erwerb des Domaine de Chevalier durch seine Familie im Jahr 1983 die Verantwortung für das Gut und investierte seither umfangreich in Weinberge und Kelleranlagen.

 

Geschichte: Von Chivaley zum Domaine de Chevalier

Die Geschichte des heutigen Domaine de Chevalier reicht weiter zurück, als es die Bezeichnung „Château“ zunächst vermuten lässt. Bereits aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sind Dokumente über einen landwirtschaftlichen Besitz an dieser Stelle überliefert. Damals gehörte das Anwesen der Familie Lalanne. Ihr Familienoberhaupt Jehan de Lalanne trug den Beinamen „Chivaley“, der auch auf den Besitz überging.

Der damalige Domaine war noch kein reines Weingut. Zum Anwesen gehörten Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Gärten, Felder, Wiesen, Wald und auch Weinberge. Über rund zwei Jahrhunderte blieb der Besitz mit der Familie Lalanne verbunden, bevor er 1736 an den Léognaner Kaufmann Jean Destang verkauft wurde. In den folgenden Jahrzehnten wechselten die Besitzverhältnisse mehrfach. Das Weinbaugebiet erlebte Zeiten des Aufschwungs, aber auch des Niedergangs. 1813 waren die Weinberge sogar vollständig verschwunden und hatten Wäldern und Heideland Platz gemacht.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Domaine de Chevalier wieder sein heutiges Potenzial zu entwickeln. Einen entscheidenden Schritt machte Jean Ricard, der das Gut 1865 gemeinsam mit Arnaud Ricard erwarb. Die Familie Ricard legte damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Stellung des Weinguts. Besonders Jean Ricard gilt innerhalb der Geschichte des Domaine als prägende Persönlichkeit.

Eine weitere wichtige Figur war Gabriel Beaumartin, der Schwiegersohn von Jean Ricard. Während seiner rund vierzig Jahre auf Domaine de Chevalier trug er wesentlich dazu bei, den Ruf der Weine über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt zu machen. Ab 1948 führte Claude Ricard das Gut und setzte diese Entwicklung fort. Unter seiner Leitung wurde Domaine de Chevalier 1953 in die Klassifikation der Grands Crus Classés de Graves aufgenommen.

 

Die Familie Bernard und der Aufbruch in eine neue Zeit

1983 begann ein neues Kapitel. Die Familie Bernard, die bis dahin vor allem im Spirituosenhandel und im Handel mit großen Bordeauxweinen tätig gewesen war, erwarb Domaine de Chevalier. Olivier Bernard übernahm die Verantwortung für das Gut und machte die Weiterentwicklung von Weinbergen und Kelleranlagen zu einer langfristigen Aufgabe.

Seitdem wurde das Anwesen umfassend erweitert und modernisiert. Die Weinberge wurden vergrößert, die Gebäude zwischen 1984 und 1991 grundlegend renoviert. Später kamen unter anderem ein neuer Flaschenkeller, ein Betonfasskeller und ein Holzfasskeller hinzu. Bemerkenswert ist, dass die Modernisierung nicht auf eine historisierende Architektur setzte. Stattdessen wurde Wert auf funktionale, zurückhaltende Lösungen gelegt, die sich in das bestehende Ensemble einfügen.

 

Weinberge, Wald und ein ungewöhnliches Terroir

Das Terroir von Domaine de Chevalier ist eng mit dem umgebenden Wald verbunden. Die Weinberge liegen abgeschirmt und bilden eine weitgehend geschlossene Einheit. Nach Angaben des Château wirkt sich die Verbindung von Wald und Weinbergen auf Mikroklima und Biodiversität aus. Der Wald bildet dabei nicht nur eine natürliche Kulisse, sondern ist Teil des Ökosystems des Weinguts.

Die Böden werden vom Château als arm und komplex beschrieben und sind stark von Kies geprägt. Die gute Drainage spielt eine wichtige Rolle. Gleichzeitig erfordert das Terroir eine genaue Beobachtung und angepasste Bewirtschaftung. Die hohe Pflanzdichte von rund 10.000 Rebstöcken pro Hektar soll die Reben zu einer natürlichen Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe anregen und damit kleine, konzentrierte Trauben hervorbringen.

Die Besonderheit des Standortes zeigt sich auch bei der Bepflanzung. Cabernet Sauvignon steht bei den roten Rebsorten im Mittelpunkt, während Sauvignon Blanc bei den weißen Rebsorten dominiert. Nach den aktuellen Angaben des Domaine entfallen auf die weißen Reben 70 Prozent Sauvignon Blanc und 30 Prozent Sémillon. Bei den roten Rebsorten sind es 65 Prozent Cabernet Sauvignon, 30 Prozent Merlot, 3 Prozent Petit Verdot und 2 Prozent Cabernet Franc.

Inzwischen verfolgt das Domaine zudem einen ökologisch ausgerichteten Weg. Die Umstellung auf biologische und biodynamische Prinzipien für die bewirtschafteten Weinberge begann 2021. Das Château betont dabei die genaue Beobachtung der Reben und des Bodens sowie einen möglichst natürlichen Umgang mit dem gesamten Ökosystem. Seit 2012 wird außerdem ein großer Teil des Strombedarfs des Anwesens über eine Photovoltaikanlage erzeugt.

 

Sorgfalt bei der Lese und präzise Weinbereitung

Die Arbeitsweise im Weinberg folgt dem Anspruch, den optimalen Reifezeitpunkt möglichst genau zu treffen. Domaine de Chevalier wartet deshalb nicht einfach auf einen einzigen allgemeinen Lesetermin. Stattdessen werden die Weinberge wiederholt durchgangen und jeweils nur die Trauben geerntet, die den gewünschten Reifegrad erreicht haben. Besonders bei den weißen Trauben kann die Ernte in mehreren Durchgängen erfolgen. Die Trauben werden von Hand in kleinen Kisten gelesen, um sie bis zur Verarbeitung möglichst unversehrt zu halten.

Bei den roten Trauben geht die sorgfältige Selektion noch weiter. Neben der Auswahl im Weinberg werden die Trauben zunächst auf einer Sortiertafel und nach dem Entrappen nochmals Beere für Beere kontrolliert. Anschließend werden die Beeren ohne Pumpen durch Schwerkraft in die Behälter gegeben. Das Ziel ist eine möglichst schonende Verarbeitung und eine kontrollierte Extraktion.

Auch im Keller folgt Domaine de Chevalier einer klaren Philosophie. Bei den Rotweinen wird bewusst keine übermäßige Extraktion angestrebt. Vielmehr soll der Charakter des jeweiligen Jahrgangs erhalten bleiben. Die Weine werden langsam vergoren und anschließend vollständig im Barrique ausgebaut. Je nach Jahrgang reift der Grand Vin zwischen 14 und 24 Monaten im Fass, wobei der Anteil neuer Eiche zwischen 40 und 60 Prozent liegt.

Eine besondere Stellung nimmt die Herstellung der weißen Weine ein. Domaine de Chevalier gehört zu den Gütern, die bei der Vinifikation ihrer weißen Weine konsequent auf die Gärung im Holz setzen. Die Moste werden langsam und schonend gepresst und direkt in Fässer gegeben. Dort erfolgt die Gärung, gefolgt von einem Ausbau auf der Feinhefe. Diese aufwendige Arbeitsweise erlaubt eine sehr selektive Verarbeitung und eine präzise Zusammenstellung der einzelnen Partien.

 

Die Weine des Domaine de Chevalier

Im Mittelpunkt stehen der Domaine de Chevalier Rouge und der Domaine de Chevalier Blanc. Beide gehören zur Appellation Pessac-Léognan und tragen die Klassifikation Grand Cru Classé de Graves.

Der rote Grand Vin verbindet die für Pessac-Léognan typische Verbindung von Frucht, Struktur und mineralischer Frische mit einer ausgeprägten Eleganz. Das Château legt bei der Vinifikation besonderen Wert darauf, die Kraft des Terroirs nicht durch übermäßige Extraktion zu überdecken.

Der weiße Domaine de Chevalier nimmt innerhalb des Sortiments des Hauses eine besondere Stellung ein. Die kleine Produktion und die aufwendige Auswahl der Trauben sind bewusst Teil des Qualitätskonzepts. Sauvignon Blanc steht im Mittelpunkt, ergänzt durch Sémillon. Frische, Mineralität, Konzentration und ein ausgeprägtes Reifepotenzial gehören zu den Merkmalen, die das Château selbst mit seinen weißen Weinen verbindet.

Als Zweitwein erzeugt Domaine de Chevalier L’Esprit de Chevalier. Er wurde erstmals 1989 abgefüllt und entstand aus dem Gedanken einer besonders konsequenten Selektion. Neben Trauben aus jüngeren Rebanlagen können auch Partien in den Zweitwein gelangen, die nicht ganz die Struktur und Präzision des Grand Vin besitzen. L’Esprit de Chevalier soll dennoch den Anspruch und die Eleganz des Hauses widerspiegeln.

Domaine de Chevalier heute

Heute wird Domaine de Chevalier von der Familie Bernard geführt. Olivier Bernard und seine Familie haben das Gut seit der Übernahme 1983 kontinuierlich weiterentwickelt, ohne dabei den Charakter des historischen Anwesens aufzugeben. Moderne Kellertechnik, ökologische Weinbergsarbeit und eine sehr genaue Selektion verbinden sich mit einer ausgeprägten Wertschätzung für die Geschichte und das Terroir des Gutes.

Domaine de Chevalier ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein Bordeaux-Weingut weiterentwickeln kann, ohne seine Identität aufzugeben. Die Verbindung von Wald und Weinbergen, die kiesgeprägten Böden, die konsequente Selektion und die zurückhaltende, auf Eleganz ausgerichtete Weinbereitung prägen den Stil des Hauses.